Arztbrief in der Fachsprachprüfung: Aufbau in fünf Teilen
Redaktion · 2. Oktober 2026 · 7 Min. Lesezeit

Kurz gesagt
Der Arztbrief ist der schriftliche Teil der Fachsprachprüfung. Für Brandenburg sind fünf Bestandteile vorgegeben: Adressat, Patientendaten mit Aufenthaltszeit, Diagnosen und Eingriffe, Epikrise, Therapie. Dort haben Sie 30 Minuten am Laptop, in Mecklenburg-Vorpommern 25 Minuten. Die meisten anderen Kammern verlangen einen Bericht oder Anamnesebogen in etwa 20 Minuten.
Was ist der Arztbrief in der Fachsprachprüfung?
In der Fachsprachprüfung führen Sie zuerst ein Anamnesegespräch mit einer Simulationspatientin oder einem Simulationspatienten. Im schriftlichen Teil halten Sie diesen Fall für ärztliche Kolleginnen und Kollegen fest. Geprüft wird Ihr schriftliches Deutsch, nicht Ihr medizinisches Wissen.
Wie dieser Teil heißt und aussieht, entscheidet jede Ärztekammer selbst: Arztbrief, Entlassungsbrief, Kurzbericht, Epikrise oder Anamnesebogen. Einen vollständigen Arztbrief verlangen nur Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Trotzdem lohnt sich der Aufbau des Arztbriefs für alle: Jeder Bericht folgt derselben Logik.
Wie viel Zeit haben Sie, und in welcher Form schreiben Sie?
| Ärztekammer | Was Sie schreiben | Zeit | Wie |
|---|---|---|---|
| Brandenburg | Arztbrief, in vollständigen Sätzen | 30 Minuten | am Laptop der Kammer, Notizen aus dem Gespräch erlaubt |
| Mecklenburg-Vorpommern | Arztbrief (Entlassungsbrief), als dritter und letzter Teil | 25 Minuten | am Computer |
| Berlin | Kurzbericht auf einer strukturierten Vorlage, mindestens die aktuelle Anamnese in ganzen Sätzen | 20 Minuten | Computer oder von Hand, nach Wahl; medizinisches Fachwörterbuch vorhanden |
| Sachsen | strukturiertes Formular, in ganzen Sätzen | etwa 20 Minuten | Fachwörterbuch vorhanden, keine weiteren Hilfsmittel |
| Sachsen-Anhalt | Epikrise | 20 Minuten | am Computer ohne Rechtschreibprogramm, Fachwörterbuch erlaubt |
| Niedersachsen | Aufnahmebogen, zweiter Teil in ganzen Sätzen, mit weiterem Vorgehen | 20 Minuten | von Hand und leserlich |
| Hamburg | vorgegebenes Formular | 20 Minuten | von Hand |
| Hessen | Anamnesebogen | bis zu 20 Minuten | eigene Stifte, keine Bleistifte |
| Rheinhessen (Mainz) | vierseitiger Anamnesebogen, nur Seite 1 in ganzen Sätzen | 20 Minuten plus 5 Minuten Anforderung | von Hand |
Welche fünf Teile hat der Arztbrief?
Das Landesamt für Arbeitsschutz, Verbraucherschutz und Gesundheit (LAVG) in Brandenburg nennt in seinen Hinweisen zum Fachsprachtest (Stand April 2026) diese fünf Bestandteile. Die Beispielsätze sind von uns geschrieben.
- Adressat: Name und Anschrift der weiterbehandelnden Ärztin oder des Arztes, danach die Anrede, zum Beispiel „Sehr geehrte Frau Dr. Sommer,“.
- Patientendaten einschließlich Aufenthaltszeit: Name, Geburtsdatum, Wohnort und Zeitraum der Behandlung. Beispiel: „wir berichten über Herrn Karl Brandt, geb. am 03.05.1961, der sich vom 14.09. bis 18.09. in unserer stationären Behandlung befand.“
- Diagnosen, Eingriffe, Operationen: als Liste, die Hauptdiagnose zuerst. Das LAVG verlangt klare Diagnosen: „Es sollen im Rahmen der Diagnosen keine reinen Symptome wiedergegeben werden.“ Also „akute Appendizitis“, nicht „Bauchschmerzen“.
- Epikrise: der Verlauf in wenigen Sätzen. Warum kam der Patient, was wurde gefunden, was haben Sie getan, wie ging es ihm danach?
- Therapie und Therapieempfehlungen: Medikamente mit Stärke und Einnahmeschema (zum Beispiel 1-0-1), dazu Kontrollen und Empfehlungen für die Weiterbehandlung.
Die Landesärztekammer Brandenburg veröffentlicht zwei Musterbriefe, einen internistischen und einen chirurgischen Fall (Stand April 2024). Darin stehen zwischen Diagnosen und Epikrise außerdem die Anamnese, die soziale Anamnese und die Untersuchungsbefunde, am Ende eine Schlussformel und eine Unterschriftenzeile. Lesen Sie beide Briefe vor der Prüfung ganz durch.
Welche Zeitform gehört in welchen Abschnitt?
Hier verlieren viele Kandidatinnen und Kandidaten Punkte. In beiden Brandenburger Musterbriefen gilt eine feste Regel: Was die Patientin oder der Patient gesagt hat, steht in indirekter Rede (Konjunktiv I). Was das Krankenhaus gesehen, gemessen oder getan hat, steht im Präteritum.
| Abschnitt | Form | Beispiel (von uns) |
|---|---|---|
| Anamnese | Konjunktiv I | „Er habe seit drei Tagen Schmerzen im rechten Unterbauch. Er nehme morgens ein Blutdruckmittel ein.“ |
| Einleitende Verben | Präteritum | „Der Patient gab an, …“, „Allergien wurden verneint.“ |
| Untersuchungsbefunde | Präteritum | „Das Abdomen war weich, im rechten Unterbauch bestand ein Druckschmerz.“ |
| Epikrise | Präteritum, oft in der wir-Form | „Wir führten eine laparoskopische Appendektomie durch. Der Verlauf war komplikationslos.“ |
| Diagnosen, Medikation | Stichpunkte, ohne Verb | „Ramipril 5 mg 1-0-0“ |
Wie wird der schriftliche Teil bewertet?
Die Ärztekammer Berlin veröffentlicht als einzige Kammer ihren Bewertungsbogen für die schriftliche Dokumentation. Er bewertet nicht Sie, sondern „das erstellte Dokument“, mit acht Kriterien zu je höchstens 2,5 Punkten. Volle Punktzahl sind 20, bestanden ist der Teil ab 12 Punkten.
| Das erstellte Dokument … | Was das für Sie heißt |
|---|---|
| (1) ist dem Simulationspatienten sicher zuzuordnen | Name und Geburtsdatum stimmen. Nur 2,5, 1,5 oder 0 Punkte möglich, also fast alles oder nichts |
| (2) ist strukturiert und vollständig | Jede Angabe aus dem Gespräch steht im richtigen Abschnitt |
| (3) ist grammatisch korrekt | Eigenes Kriterium, 2,5 Punkte |
| (4) ist orthografisch korrekt | Noch einmal 2,5 Punkte, getrennt von der Grammatik |
| (5) zeigt die nötige Detailtiefe | Ein richtiger, aber leerer Bericht reicht nicht |
| (6) enthält fremdsprachliche Fachwörter in angemessenem Umfang | Fachbegriffe wie Dyspnoe oder Appendizitis, korrekt und nicht zu viele |
| (7) gibt die wesentlichen Anamnesebefunde semantisch korrekt wieder | Was die Patientin gesagt hat, steht inhaltlich richtig da |
| (8) trifft klare Aussagen über die wesentlichen Behandlungsschritte | Ohne Plan für Diagnostik und Therapie fehlt ein Achtel der Punkte |
Grammatik und Rechtschreibung bringen zusammen 5 von 20 Punkten, also ein Viertel. In Brandenburg gibt es keine Note: Jeder der drei Teile muss bestanden sein, sonst wiederholen Sie den ganzen Fachsprachtest.
Was gehört nicht in den Arztbrief?
- Nichts Erfundenes. Sachsen bewertet, ob Sie „exakt das Gesagte“ wiedergeben und nichts interpretieren. Bremen verbietet ausdrücklich ausgedachte Textbausteine, etwa theoretisch mögliche Beschwerden oder einen Untersuchungsbefund, den es nie gab. Schreiben Sie nur Befunde, die Ihnen in der Prüfung genannt wurden.
- Keine reinen Symptome als Diagnose (LAVG Brandenburg).
- Keine Fachsprache, wo die Kammer sie nicht will. In Mainz stehen Seite 2 und 3 des Anamnesebogens nicht in ganzen Sätzen, und Patientenangaben werden nicht in Fachsprache übersetzt: „Eine Anamnese ist kein Arztbrief.“ Wer das nicht beachtet, verliert Punkte.
- Keine Hilfe vom Computer. In Sachsen-Anhalt gibt es kein Rechtschreibprogramm. Üben Sie so, dass Sie keines brauchen.
Wie teilen Sie 20 oder 30 Minuten ein?
| Schritt | Bericht, 20 Minuten | Arztbrief, 30 Minuten |
|---|---|---|
| Notizen ordnen, Kopf und Patientendaten | 2 Minuten | 3 Minuten |
| Diagnosen | im Formular am Ende | 3 Minuten |
| Anamnese in ganzen Sätzen | 8 Minuten | 10 Minuten |
| Verdachtsdiagnose, Epikrise, weiteres Vorgehen und Therapie | 5 Minuten | 8 Minuten |
| Korrektur: Name, Geburtsdatum, Konjunktiv, Endungen | 5 Minuten | 6 Minuten |
Wie lang soll der Arztbrief sein?
Keine Kammer nennt eine Wortzahl. Die zwei Brandenburger Musterbriefe haben nach unserer Zählung etwa 380 bis 480 Wörter Text. Für einen Kurzbericht in 20 Minuten rechnen wir mit etwa 150 bis 250 Wörtern im freien Teil. Vollständig und richtig zählt mehr als lang.
Wie üben Sie den Arztbrief am besten?
- Klären Sie das Format Ihrer Kammer (Tabelle oben) und lesen Sie deren Merkblatt.
- Lernen Sie die Reihenfolge der Abschnitte auswendig, damit Sie in der Prüfung nicht über die Gliederung nachdenken.
- Üben Sie den Konjunktiv I gezielt: er sei, habe, könne, müsse, nehme, leide; im Plural seien und hätten.
- Schreiben Sie nach jedem geübten Anamnesegespräch einen Bericht unter echter Zeit und ohne Rechtschreibprüfung.
- Prüfen Sie Ihren Text mit den acht Berliner Kriterien, vor allem Kriterium 1 und 8.
- Üben Sie alle drei Teile nach Kammer sortiert in unserem Bereich Fachsprachprüfung üben. Den ganzen Ablauf erklärt unser Artikel Fachsprachprüfung für Ärzte: Ablauf, Bewertung und Bestehen.
Was sich ab November 2026 bei der Approbation ändert, lesen Sie in Kenntnisprüfung wird Regelfall. Die Fachsprachprüfung bleibt.
Häufige Fragen
Wie lang ist der Arztbrief in der Fachsprachprüfung?
Keine Ärztekammer nennt eine Wortzahl. Die zwei Musterbriefe der Landesärztekammer Brandenburg haben nach unserer Zählung etwa 380 bis 480 Wörter Text; ein Kurzbericht in 20 Minuten ist deutlich kürzer.
Wie viel Zeit hat man für den Arztbrief in der Fachsprachprüfung?
In Brandenburg 30 Minuten am Laptop, in Mecklenburg-Vorpommern 25 Minuten am Computer. In den meisten anderen Kammern dauert der schriftliche Teil etwa 20 Minuten.
Was zählt bei der Bewertung des Arztbriefs?
In Berlin acht Kriterien zu je 2,5 Punkten: sichere Zuordnung zum Patienten, Struktur und Vollständigkeit, Grammatik, Rechtschreibung, Detailtiefe, Fachwörter, korrekte Wiedergabe der Anamnese und klare Aussagen zur Behandlung. Bestanden ist der Teil ab 12 von 20 Punkten.
Darf man im schriftlichen Teil ein Wörterbuch benutzen?
In Berlin, Sachsen und Sachsen-Anhalt steht ein medizinisches Fachwörterbuch zur Verfügung. Ein Rechtschreibprogramm gibt es in Sachsen-Anhalt ausdrücklich nicht.
Muss die Anamnese im Arztbrief im Konjunktiv stehen?
In den Brandenburger Musterbriefen stehen die Angaben der Patientin oder des Patienten in indirekter Rede, also im Konjunktiv I. Befunde und Behandlung stehen im Präteritum.
Schreibt man den Arztbrief am Computer oder von Hand?
In Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt am Computer. In Berlin wählen Sie selbst, in Hamburg und Niedersachsen schreiben Sie von Hand.
Quellen
- LAVG Brandenburg: Hinweise zum Fachsprachtest im Rahmen der ärztlichen Approbationsverfahren, Stand April 2026 (PDF), abgerufen am 2. Oktober 2026
- Landesärztekammer Brandenburg: Fachsprachtests, abgerufen am 2. Oktober 2026
- Landesärztekammer Brandenburg: Musterbrief internistischer Fall (PDF), abgerufen am 3. August 2026
- Landesärztekammer Brandenburg: Musterbrief chirurgischer Fall (PDF), abgerufen am 3. August 2026
- Ärztekammer Berlin: Aufgabenstellung Fachsprachprüfung (PDF), abgerufen am 2. Oktober 2026
- Ärztekammer Berlin: Musterbewertungsbogen Schriftliche Dokumentation (PDF), abgerufen am 2. Oktober 2026
- Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern: Fachsprachenprüfung, abgerufen am 2. Oktober 2026
- Sächsische Landesärztekammer: Fachsprachenprüfung, abgerufen am 2. Oktober 2026
- Ärztekammer Sachsen-Anhalt: Sprachtest, abgerufen am 2. Oktober 2026
- Ärztekammer Niedersachsen: Informationsblatt Fachsprachprüfung (PDF), abgerufen am 3. August 2026
- Ärztekammer Hamburg: Fachsprachenprüfung, abgerufen am 5. August 2026
- Landesärztekammer Hessen: Merkblatt Fachsprachprüfungen (PDF), abgerufen am 5. August 2026
- Bezirksärztekammer Rheinhessen: Ablaufhinweise zur Fachsprachenprüfung (PDF), abgerufen am 20. August 2026
- Ärztekammer Bremen: Infoblatt Fachsprachenprüfung, Aufgabenstellungen (PDF), abgerufen am 3. August 2026


