Arzt-Arzt-Gespräch in der FSP: den Patienten vorstellen
Redaktion · 7. Oktober 2026 · 3 Min. Lesezeit

Kurz gesagt
Im Arzt-Arzt-Gespräch stellen Sie den Patienten aus der Anamnese einer Oberärztin oder einem Oberarzt vor, strukturiert und knapp, etwa zwei Minuten, und beantworten dann Rückfragen zu Diagnose, Differentialdiagnosen und weiterem Vorgehen. Viele Kammern prüfen am Ende Fachbegriffe; in Berlin bringen Fachbegriffe, Abkürzungen und laut vorgelesene Laborwerte 5 von 20 Punkten dieses Teils.
Worum geht es in diesem Teil?
Nach Anamnese und Dokumentation sprechen Sie mit ärztlichen Mitgliedern der Kommission wie mit einer vorgesetzten Kollegin oder einem Kollegen. Jetzt ist Fachsprache gefragt, nicht Patientensprache. Die Kammer Nordrhein beschreibt den Teil als Visite: Nach der Vorstellung stellen zwei Ärzte Rückfragen und können Ihnen weitere Unterlagen zum Patienten vorlegen, die Sie bewerten sollen. Der Teil dauert in der Regel etwa 20 Minuten.
So bauen Sie die Patientenvorstellung auf
- Wer: Name, Alter, Geschlecht. „Ich möchte Ihnen Herrn … vorstellen, 58 Jahre alt.“
- Warum: Aufnahmegrund und Leitsymptom mit Dauer.
- Aktuelle Anamnese, knapp: Beginn, Verlauf, Begleitsymptome.
- Vorerkrankungen, Operationen, Dauermedikation, Allergien.
- Sozial- und Familienanamnese, soweit relevant.
- Verdachtsdiagnose mit Begründung und Differentialdiagnosen.
- Geplante Diagnostik und Therapie, weiteres Vorgehen.
Diese Reihenfolge entspricht den Feldern der Dokumentationsbögen, die die Kammern veröffentlichen. Eine feste Vorgabe zur Reihenfolge druckt keine Kammer, verlangt wird eine strukturierte, knappe Vorstellung. Rechnen Sie mit etwa 90 bis 150 Sekunden Sprechzeit, damit genug Zeit für Rückfragen bleibt.
Wie Berlin diesen Teil bewertet
| Kriterium (Auswahl, sinngemäß) | Punkte |
|---|---|
| stellt den Fall flüssig und situationsangemessen vor | bis 2,5 |
| drückt sich grammatisch korrekt und verständlich aus | bis 2,5 |
| verwendet Fachwörter korrekt und in angemessenem Umfang | bis 2,5 |
| trifft klare Aussagen zu Befunden und Behandlungsschritten | bis 2,5 |
| beantwortet Rückfragen ohne sprachliche Probleme | bis 2,5 |
| nimmt an einer Diskussion über den Fall teil | bis 2,5 |
| übersetzt 5 Fachbegriffe ins Deutsche | bis 2,5 |
| ergänzt 2 Abkürzungen und liest 3 Laborwerte mit Zahlen und Einheiten vor | bis 2,5 |
Rückfragen: zwei Arten
- Zur Vorstellung: Warum diese Verdachtsdiagnose? Welche Differentialdiagnosen? Was ist der nächste Schritt? Was sagen Sie dem Patienten?
- Zu einem neuen Dokument: ein Laborbefund, ein EKG-Befund, ein Röntgenbefund. Sie lesen vor, mit Zahlen und Einheiten, und sagen, was er bedeutet.
Werte laut vorzulesen klingt einfach, ist aber ein eigener Prüfungspunkt, in Berlin ausdrücklich, und auch Sachsen-Anhalt lässt Laborwerte aus einem Telefonat wiedergeben. Üben Sie Zahlen mit Einheiten: „Hämoglobin 9,8 Gramm pro Deziliter“, „CRP 48 Milligramm pro Liter“.
Die Vokabelliste am Ende
Viele Kammern lassen am Ende Fachbegriffe in Alltagssprache übersetzen oder umgekehrt: Niedersachsen 12 Begriffe in beide Richtungen, Sachsen 12, Hamburg 15, Berlin 5 Begriffe plus Abkürzungen und Laborwerte. In Hessen ist der Vokabeltest sogar ein eigener Teil von 20 Minuten. Wie Sie diese Liste üben, erklärt unser Artikel zu Fachbegriff und Laienwort.
Die anderen Teile: Anamnesegespräch und Arztbrief. Wie die 17 Kammern prüfen und was die Prüfung kostet: Fachsprachprüfung in allen Ärztekammern.
Häufige Fragen
Wie lange dauert das Arzt-Arzt-Gespräch?
In der Regel etwa 20 Minuten. Die eigentliche Patientenvorstellung sollte knapp sein, etwa 90 bis 150 Sekunden, damit Zeit für Rückfragen bleibt.
In welcher Reihenfolge stelle ich den Patienten vor?
Bewährt ist: Person, Aufnahmegrund, aktuelle Anamnese, Vorerkrankungen und Medikation, Sozial- und Familienanamnese, Verdachtsdiagnose mit Begründung, Differentialdiagnosen, Diagnostik und Therapie.
Was wird im Arzt-Arzt-Gespräch bewertet?
In Berlin acht Kriterien: flüssige Vorstellung, Grammatik, Fachwortgebrauch, klare Aussagen, Rückfragen, Diskussion, Fachbegriffe sowie Abkürzungen und Laborwerte. Höchstens 20 Punkte, bestanden ab 12.
Muss ich Laborwerte vorlesen?
In Berlin ja, drei Laborwerte mit Zahlen und Einheiten. Auch andere Kammern legen Befunde vor, die Sie vorlesen und deuten sollen.
Quellen
- Ärztekammer Berlin: Musterbewertungsbogen „Ärztliches Gespräch“ (PDF), abgerufen am 5. August 2026
- Ärztekammer Nordrhein: Fachsprachprüfung, abgerufen am 5. August 2026
- Ärztekammer Niedersachsen: Informationsblatt Fachsprachprüfung (PDF), abgerufen am 3. August 2026
- Ärztekammer Bremen: Infoblatt Fachsprachenprüfung, Aufgabenstellungen (PDF), abgerufen am 5. August 2026
- Ärztekammer Hamburg: Fachsprachenprüfung, abgerufen am 5. August 2026
- Sächsische Landesärztekammer: Fachsprachenprüfung, abgerufen am 5. August 2026
- Ärztekammer Sachsen-Anhalt: Sprachtest, abgerufen am 3. August 2026


