Fachsprachprüfung für Ärzte: Ablauf, Bewertung und Bestehen

Redaktion · 28. September 2026 · 4 Min. Lesezeit

Krankenhausflur mit Ärztinnen und Ärzten

Kurz gesagt

Die Fachsprachprüfung legen Ärztinnen und Ärzte aus dem Ausland bei der Landesärztekammer ab. In den meisten Kammern hat sie drei Teile zu je etwa 20 Minuten an einem Fall: Arzt-Patienten-Gespräch, schriftliche Dokumentation und Arzt-Arzt-Gespräch. In Berlin wird jeder Teil mit 20 Punkten bewertet und ist ab 12 Punkten bestanden, jeder Teil für sich.

Wie läuft die Fachsprachprüfung ab?

Grundlage ist ein einziger Fall, der sich durch alle Teile zieht. In der Regel beginnt die Prüfung mit einer kurzen Vorstellung zu Studium und Werdegang. Dann folgen drei Teile:

  1. Arzt-Patienten-Gespräch (Anamnese): Sie erheben die Anamnese bei einer Simulationspatientin oder einem Simulationspatienten und erklären das weitere Vorgehen verständlich.
  2. Dokumentation: Sie schreiben auf, was Sie erfahren haben, je nach Kammer als Kurzbericht, auf einem Anamnesebogen oder als Arztbrief.
  3. Arzt-Arzt-Gespräch: Sie stellen den Fall einer Oberärztin oder einem Oberarzt vor, beantworten Rückfragen und übersetzen oft Fachbegriffe.

Geprüft wird die Sprache im medizinischen Alltag, nicht das medizinische Fachwissen. Die Fälle sind häufige Krankheitsbilder, keine Raritäten.

Wie wird bewertet?

Die meisten Kammern veröffentlichen ihren Bewertungsbogen nicht. Die Ärztekammer Berlin tut es: drei Bögen, einer pro Teil, mit je acht Kriterien. Jedes Kriterium wird auf einer sechsstufigen Skala bewertet (2,5 sehr gut, 2 gut, 1,5 befriedigend, 1 nicht befriedigend, 0,5 mangelhaft, 0 gänzlich verfehlt). So kommt jeder Teil auf höchstens 20 Punkte. Bestanden ist ein Teil ab 12 Punkten, und jeder der drei Teile muss für sich bestehen.

TeilWorauf der Berliner Bogen achtet (Auswahl)
Arzt-Patienten-Gesprächprofessionell-persönliche Kommunikation, klare Aussprache, weicht gewinnbringend von Schemata ab, erklärt das weitere Vorgehen patientengerecht
Dokumentationsicher der Patientin oder dem Patienten zuzuordnen, strukturiert und vollständig, grammatisch und orthografisch korrekt, Befunde semantisch richtig wiedergegeben
Arzt-Arzt-Gesprächstellt den Fall flüssig vor, verwendet Fachwörter korrekt, beantwortet Rückfragen, übersetzt Fachbegriffe, liest Laborwerte mit Einheiten korrekt vor
Quelle: Ärztekammer Berlin, Musterbewertungsbögen Simulationsanamnese, Schriftliche Dokumentation, Ärztliches Gespräch.

Worin unterscheiden sich die Ärztekammern?

Jede Kammer prüft nach ihrer eigenen Ordnung. Die meisten folgen dem Muster drei Teile in etwa 60 Minuten, einige weichen deutlich ab:

KammerAufbauDokumentationBesonderheit
Berlin3 Teile, etwa 60 MinutenKurzbericht, am PC oder von Hand5 Fachbegriffe, 2 Abkürzungen, 3 Laborwerte; Ergebnis frühestens nach 10 Tagen
Bayern3 × 20 MinutenKurzbericht auf strukturierter Vorlage, Laptop oder HandVorstellung zu Studium und Werdegang am Anfang
Brandenburg3 Teile, 20 / 30 / 20 MinutenArztbrief am Laptop der Kammeralle drei Teile müssen bestanden sein
Hamburg3 Teile, 60 Minutenvon Hand in ein Formular15 Fachbegriffe; 12 Minuspunkte bedeuten nicht bestanden
Hessen4 Teile, etwa 2 StundenAnamnesebogeneigener Vokabeltest mit 20 Minuten als erster Teil
Mecklenburg-Vorpommern3 Teile plus 45 Minuten VorbereitungEntlassungsbrief am Computer, 25 MinutenWiederholung frühestens nach drei Monaten
Nordrhein3 StationenAnamnesebogen60 Punkte, bestanden ab 36
Rheinhessen (Mainz)6 Teile, etwa 3 bis 3,5 Stundenvierseitiger Anamnesebogen, von Hand40 Fachbegriffe in beide Richtungen, Körperschema, Abbruch nach dem ersten nicht bestandenen Teil
Sachsen3 Teile zu je etwa 20 MinutenArztbericht in ganzen Sätzen12 Fachbegriffe; Notizen in der Muttersprache erlaubt
Quellen: Seiten und Merkblätter der jeweiligen Ärztekammer, siehe unten. Stand der Abrufe: August 2026.

Was kostet die Prüfung Punkte?

Die Ärztekammer Rheinhessen in Mainz nennt als einzige Kammer genau, was Punkte kostet. Einige Regeln überraschen und gelten sinngemäß überall:

  • Die Fragen der Patientin oder des Patienten auf das Ende verschieben kostet Punkte, im Extremfall bis zum Nichtbestehen. Beantworten Sie Fragen, wenn sie gestellt werden.
  • Ein starr auswendig gelernter Fragenkatalog wird ausdrücklich kritisiert. Berlin bewertet umgekehrt positiv, wer „gewinnbringend von vorgegebenen Schemata abweicht“.
  • Patientenangaben in Fachsprache übersetzen gehört nicht auf den Anamnesebogen: Die Anamnese ist kein Arztbrief.
  • Mehr als eine Übersetzung pro Fachbegriff kostet Punkte, auch wenn beide richtig sind. Ebenso falsche Groß- und Kleinschreibung.
  • Unleserliches oder Unverständliches mindert die Bewertung in jedem Teil.

Wie bereite ich mich am besten vor?

  1. Finden Sie heraus, welche Kammer Ihre Prüfung abnimmt, und lesen Sie deren Ablauf. Die Unterschiede in der Tabelle oben entscheiden, was Sie üben.
  2. Üben Sie das Anamnesegespräch laut, mit Zeitlimit und mit Rückfragen, nicht nur mit einer Liste.
  3. Schreiben Sie die Dokumentation in der Form Ihrer Kammer: Kurzbericht, Anamnesebogen oder Arztbrief.
  4. Trainieren Sie die Fallvorstellung in zwei Minuten und das Vorlesen von Laborwerten mit Einheiten.
  5. Üben Sie unter echter Zeit, Teil für Teil: nach Kammer sortiert in unserem Bereich Fachsprachprüfung.

Häufige Fragen

Welches Niveau hat die Fachsprachprüfung?

Die Fachsprachprüfung prüft medizinische Fachsprache auf Stufe C1. Den allgemeinen Sprachnachweis, meist B2, verlangt die zuständige Stelle zusätzlich.

Wie viele Punkte braucht man in der Fachsprachprüfung?

In Berlin mindestens 12 von 20 Punkten in jedem der drei Teile. In Nordrhein mindestens 36 von 60 Punkten. Andere Kammern veröffentlichen keine Punktgrenze.

Wie lange dauert die Fachsprachprüfung?

In den meisten Kammern etwa 60 Minuten in drei Teilen. In Hessen etwa zwei Stunden, in Rheinhessen drei bis dreieinhalb Stunden.

Kann man die Fachsprachprüfung wiederholen?

Ja. Manche Kammern setzen eine Wartezeit, in Mecklenburg-Vorpommern frühestens drei Monate. Die Gebühr fällt erneut an.

Wird in der Fachsprachprüfung medizinisches Wissen geprüft?

Nein, geprüft wird die Sprache. Die Fälle sind häufige Krankheitsbilder, damit die Sprache im Vordergrund steht.

Quellen

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